Am 21. Januar durfte die Leiterin des Gerlinger Stadtmuseums, Frau Dr. Birgit Knolmayer, wieder einen hochkarätigen Gast in der Reihe „65 Jahre Stadtmuseum: Weggefährten erinnern sich“ begrüßen. Dr. Markus Rösler ist nicht nur der direkt gewählte Landtagsabgeordnete für unseren Wahlkreis, sondern (und an dieser Stelle viel wichtiger), gebürtiger Gerlinger, Nachfahre des Missionars Johannes Rebmann sowie Mitbegründer und Vorstandsvorsitzender unserer Gerlinger Rebmann-Stiftung.
Im ersten Teil seines Vortrags ging Markus Rösler im Erdgeschoss des Museums auf Erinnerungen und Anekdoten aus seiner Familie, besonders im Zusammenhang mit dem Schulhaus, ein. So wusste er aus den Erzählungen einer Tante zu berichten, dass im Jahr 1944/45 die in Gerlingen bestens bekannte Irmgard Bosch (geb. Grävenitz) zwei Klassen mit jeweils 40 Kindern gleichzeitig zu unterrichten hatte. Um mit so vielen Kindern klar zu kommen, wurde ihr der großzügige Einsatz des Tatzenstocks empfohlen. Frau Bosch wandte diesen aber wohl nur sehr ungern an, weil sie im Unterschied zu vielen anderen Kindern ihrer Generation von zuhause keine Schläge kannte.
Röslers Mutter war im Schuljahr 1937/38 in der siebten Klasse in einer sogenannten „fliegenden Klasse“. Die Klasse hatte aus Platzgründen kein festes Klassenzimmer, sondern wanderte immer zwischen dem alten Schulhaus in der Weilimdorfer Straße (dem heutigen Stadtmuseum) und dem damals neuen Schulhaus in der Weilimdorfer Straße (heute sind dort DRK und Café Konfus untergebracht) hin und her. Da seine Mutter zu den zuverlässigeren und besseren Schülerinnen gehörte, wie damals üblich aber trotzdem als Mädchen nicht auf die Realschule durfte, bekam sie manchmal den Auftrag, für die Lehrkräfte Unterlagen zwischen den beiden Gebäuden hin und her zu tragen, was dazu führte, dass sie einiges an Unterricht verpasste.
Markus Rösler wusste auch aus Familienerinnerungen zu berichten, dass in Gerlingen früher die allererste „Moschde“ (Saftpresse für Obst) direkt neben dem alten Schulhaus in der Weilimdorfer Straße eingerichtet wurde und dass er mit seinem Bruder das schwere 300-Liter-Mostfass auf einem großen Leiterwagen per Hand aus der Mörikestraße nach Hause in die Brennerstraße zog.
Seine Erinnerungen und Anekdoten aus Gerlingen trug Rösler im schwäbischen Dialekt vor, was sie noch anschaulicher und lebensnaher werden ließ. Schließlich ist Rösler im Landtag auch Initiator und Sprecher einer großen überparteilichen Mundart-Parlamentariergruppe.
Der zweite Teil des Abends fand in der Missionars-Abteilung des Museums statt. Hier erläuterte Markus Rösler nicht nur den ausführlichen Stammbaum der Familie Rebmann, sondern berichtete auch aus dem Leben des Missionars Johannes Rebmann. Bekannt ist dieser ja besonders als europäischer Erstbeschreiber des Kilimandscharo. Erwähnenswert ist allerdings auch, dass er 29 Jahre in Afrika lebte. Während dieser ungewöhnlich langen Zeit unternahm er viele Reisen, wobei er sich den dortigen Traditionen anpasste und immer zahlreiche Gastgeschenke bei sich trug. Von Rebmann wird außerdem erzählt, dass er neben der Bibel auch stets einen Regenschirm dabei hatte, um den ihn sehr viele der Stammesältesten beneideten. Aus dieser Anekdote ergab sich bei einem Teil der anwesenden Besucherinnen und Besucher eine ganz andere Assoziation. So hatte die Reisegruppe des Patenschaftsrat der LDU im letzten Frühjahr bei ihrer Reise durch Ungarn doch Regenschirme der Stadt Gerlingen dabei, die als Gastgeschenke überreicht wurden. In Anlehnung daran überreichte Birgit Knolmayer dann auch Markus Rösler zum Dank für den Vortrag einen Schirm der Stadt Gerlingen.
Durch sehr persönliche Schilderungen von Begebenheiten aus der Familie (Rebmann-) Rösler, aber auch mit eigenen Erinnerungen gelang es Markus Rösler, das Gerlingen seit den 1930er Jahren aufleben zu lassen. Möglich war dies nur, weil er schon vor über 30 Jahren begann, seine Eltern und älteren Verwandten systematisch nach ihren Erinnerungen zu befragen und diese auch aufzuschreiben. Daran sollten wir uns ein Beispiel nehmen und unsere eigene Familiengeschichte ergründen, solange noch Menschen zur Verfügung stehen, die sich erinnern und davon berichten können. Wenn Sie sich für Familienforschung interessieren, wäre der vom Verein für Heimatkunde in Zusammenarbeit mit der VHS zu diesem Thema angebotene mehrtägige Kurs („Oma war ’ne ganz patente Frau – Einführung in die Ahnenforschung“, Kursnr.: 261-11000G) doch genau das richtige für Sie!